Pflichtteil

Der Pflichtteilsanspruch steht einem Kind nach dem Tod eines Elternteiles zu. Eltern haben Anspruch auf Pflichtteile nach dem Tod ihres Kindes nur, wenn der Verstorbene selbst keine Kinder hatte.

Darüber hinaus ist der Ehegatte des Verstorbenen pflichtteilsberechtigt. Es sei denn, ein Ehepartner hat vor dem Tod die Scheidung bei Gericht beantragt und der Antrag ist dem verstorbenen Ehepartner vor seinem Tod zugestellt worden.
Auf den Pflichtteil kann mit notarieller Beurkundung verzichtet werden.
Der Pflichtteil muss vom Berechtigten selbst gegenüber dem Erben geltend gemacht werden, anderenfalls verjährt er in drei Jahren ab Kenntnis vom Erbfall und der letztwilligen Verfügung, mit welcher der Pflichtteilsberechtigte enterbt worden ist.

Der Pflichtteil kann nicht dadurch umgangen werden, dass der Erblasser kurz vor seinem Tod sein Vermögen verschenkt, da aus Schenkungen innerhalb von 10 Jahren vor dem Tode ein Pflichtteilsergänzungsanspruch resultiert. Bei Ehegatten werden Schenkungen ohne zeitliche Grenze für den Pflichtteilsergänzungsanspruch berücksichtigt.

Pflichtteilsverzicht

Ein Pflichtteilsverzicht kann bereits zu Lebzeiten eines späteren Erblassers vereinbart werden. Der Verzicht  muss notariell beurkundet werden.

Eltern können mit Ihren Kindern einen Pflichtteilsverzicht für den ersten Erbfall vereinbaren, um dem überlebenden Ehegatten die Liquidität zu erhalten. Stirbt ein Ehegatte, (statistisch sterben in der Regel zuerst die Männer) muss der überlebende Ehegatte oft schon knapp kalkulieren, wenn er mit der reduzierten Rente leben muss. Durch den Pflichtteilsverzicht wird sichergestellt, dass kein Kind den Überlebenden nach dem Tod des Ehegatten wirtschaftlich unter Druck setzen kann.

Trotz  Pflichtteilsverzicht kann ein Erblasser ein verzichtendes Kind dennoch im Testament als Erbe oder Miterbe einsetzen.

Ein Pflichtteilsverzicht wirkt sich, anders als ein kompletter Erbverzicht, nicht auf die Erbquoten oder die Pflichtteilsquoten der anderen Erben aus. Wenn Eheleute beispielsweise 4 Kinder haben und mit einem einen Pflichtteilsverzicht vereinbaren, beträgt die gesetzliche Erbquote der anderen Kinder dennoch nur 1/8. Die Hälfte des Nachlasses geht bei gesetzlicher Erbfolge an den überlebenden Ehegatten, die andere Hälfte an die Kinder zu gleichen Teilen. Bei 4 Kindern erbt also jedes Kind ohne Testament 1/8. Der Pflichtteil entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils, also 1/16.