Der Erblasser kann in Form eines Vermächtnisses einer anderen Person (Vermächtnisnehmer) einen Vermögensvorteil einräumen, ohne ihn als Erben einzusetzen (§ 1939 BGB).

Ein wesentlicher Unterschied des Vermächtnisnehmer zum Erben ist, dass dieser nicht für die Schulden des Verstorbenen aufkommen muss.
Während nämlich der Erbe unmittelbar am gesamten Vermögen des Verstorbenen beteiligt ist, hat der Vermächtnisnehmer nur einen schuldrechtlichen Anspruch (§ 2174 BGB) auf den  im Testament oder im Erbvertrag bestimmten Vermögensvorteil (z.B.: Wird etwa dem Vermächtnisnehmer ein Grundstück vermacht, muss für die Erfüllung des Vermächtnisses zwischen ihm und dem Erben eine notariell beurkundungspflichtige Übereignung vorgenommen werden. Soll der Vermächtnisnehmer ein Girokonto des Erblassers erhalten, muss der Erbe beim Kreditinstitut die Umschreibung dieses Girokontos veranlassen.).

Der Vermögensgegenstand fällt dem Vermächtnisnehmer nicht automatisch zu. Er muss seinen Vermächtniserfüllungsanspruch gegen den Beschwerten geltend machen und – notfalls gerichtlich – durchsetzen.
Jeder Vermögensvorteil kann vermacht, also Gegenstand eines Vermächtnisses sein. Der Erblasser kann selbst festlegen, welche beweglichen oder unbeweglichen Sachen an den Vermächtnisnehmer zu übereignen sind. Das kann ein bestimmter Geldbetrag aus dem sein, eine zu übertragende Forderung, zu erlassene Schulden oder ein bestimmtes Nutzungsrecht, das eingeräumt wird. Das Vermächtnis kann auch ein sehr wertvoller Gegenstand sein, der den größten Teil des Nachlasses ausmacht.

Der Erblasser kann, muss aber den Vermächtnisnehmers in seiner letztwilligen Verfügung aber noch nicht abschließend festlegen. Es reicht aus, wenn er den Personenkreis bestimmt und die endgültige Auswahl einer anderen Person überlässt, die dann entscheidet, wer das Vermächtnis (nach bestimmten Kriterien oder billigem Ermessen) erhält.
Es kann ein Ersatzvermächtnisnehmer für den Fall eingesetzt werden, wenn der zunächst Bedachte das Vermächtnis (beispielsweise wegen Vorversterbens oder durch Ausschlagung) nicht erwirbt (§ 2190 BGB).

Wenn kein Ersatzvermächtnisnehmer bestimmt wird, wird das Vermächtnis unwirksam, da es niemanden gibt, der es entgegennehmen kann (§ 2160 BGB).